SpeakStaff: Wie alles begann

Scan&Go!

SpeakStaff ist zum momentanen Zeitpunkt ein sehr junges Projekt, zu dem die Idee lustigerweise bei einem kreativen Bad in der Badewanne entstanden ist. Da ich totaler Hörbuch-Fan bin, habe ich eigentlich immer ein Hörbuch auf meinem Smartphone, auf das ich in Situationen wie dieser zurückgreifen kann. An dem Tag hätte ich aber lieber einige interessante Blog-News aus der Web-Designer-Ecke gelesen, weil ich da her komme – aber das iPhone mit ins Wasser nehmen? So weit ist Apple dann nun doch wieder nicht.

Die Nachdenk-Phase

Zwischen Schaum und Bade-Enten dachte ich nun nach, warum es zwar Sprecher für Hörbücher gibt und der Markt für Hörbücher auch ständig wächst (Audible hat derzeit ca. 100.000 verfügbare Hörbücher!), im Bereich der Blogs die meisten Texte aber oft “ungehört” bleiben.

Ich führte das darauf zurück, dass der Aufwand, einen Text professionell zu vertonen einfach zu hoch und zu teuer sei. Außerdem braucht es für Autoren zu viel Zeit, um geeignete Sprecher zu finden, mit diesen über einen Preis zu verhandeln und die Audio-Dateien irgendwie optisch nett in den Blog Post einzubinden (Der normale HTML-5 Audio Player tut seinen Job zwar auch, aber wirklich schön ist er nicht. Und mehr als anklicken, um etwas zu hören, funktioniert auch nicht out-of-the-box).

Wäre es aber nicht gut, interessante Beiträge einfach zu hören, so nebenbei, neben dem Baden, Kochen, Joggen, Auto fahren?

Die Recherche

Nachdem ich wieder in trockenen Tüchern war, recherchierte ich ein wenig –  und wurde auch fündig. Auf dem deutschen Markt gibt es bereits ein junges Start-up, das sich genau damit beschäftigt und auch schon einige Blogs und Online-Redaktionen als Publisher gewonnen hatte, obwohl es sehr jung ist. Nach weiterer Recherche fand ich sein amerikanisches Pendant dazu und war erstaunt, zu lesen, dass dieses in Kürze seinen Dienst beenden würde, da es an DropBox verkauft wurde. Schade! Ein klasse Service, geschluckt von einem Riesen?

Als nächstes fand ich einen Service, der sich ebenfalls auf das Vorlesen kurzer Texte spezialisiert hatte, jedoch fast ausschließlich auf News.

Das Fazit

Ich kam zum Schluss, dass hier noch viel Arbeit vor uns liegen würde, bis vor allem das deutsche Web zur Sprache gebracht werden konnte. Der Markt dafür ist unglaublich groß und das Interesse an gesprochenen Inhalten da, wie die steigenden Absatz-Zahlen von Audible zeigen. Zudem befindet sich unsere Generation in einer immer mehr zunehmenden Geschwindigkeit des Lebens, sodass wenig Zeit für den Luxus bleibt, sich mal in aller Ruhe vor den Rechner, das Tablet oder Smartphone zu setzen, um auf einem kleinen Bildschirm irgendwelche Beiträge zu lesen. Zurücklehnen und vorlesen lassen – das wär’s doch.

Die Idee

Nun also – wie sollte es weiter gehen? Sollte ich mir ein Mikrofon kaufen und einfach mal anfangen, das Web zu vertonen? Klar. Liegt wohl eher nicht so in meinem Gaben-Bereich, obwohl ich mich schon daran versucht habe. Das Vorhaben sollte gut durchdacht sein, um skalierbar zu werden. Erst einmal brauchte es einen Namen. Oder doch nicht? Irgendwas Trendiges, das auf -o endet? Speakado? Readando? Lieber nicht, die Copy-Cat lässt grüßen. Zudem: Welcher Global Player hört auf o auf? So viel zu meinen ersten Ambitionen :-D

Ich zerbrach mir den Kopf über die Umsetzung, den Prozess der Sprecher-Findung, die Herangehensweise an Blogger und weitere Publisher, die Kosten, die ein solches Projekt für alle Parteien mit sich bringen würde, eine würdige Entlohnung der Vorleser und über interessante Themen.

Kurze Zeit später stand aber auch schon das erste Konzept. Bootstrapping war angesagt, da finanzielle Mittel praktisch kaum vorhanden waren. Ich setzte eine erste Website auf und füllte sie mit den notwenigsten Infos. Ich nahm Kontakt zu einer Bekannten auf, von der ich wusste, dass sie nicht nur gut singen konnte, sondern auch schon Videos erstaunlich gut vertont hatte, obwohl sie keinerlei Sprecher-Ausbildung genossen hatte. Nach einigen Tagen waren Irene und ich und einig und sie nahm mit einem schon vor Monaten gekauften Mikrofon den ersten Text auf.

Der Name: SpeakStaff

Zum gleichen Zeitpunkt erschloss sich mir der Grundgedanke: Wir wollten eine Basis aufbauen, die vornehmlich aus Menschen besteht. Natürlich steht die Dienstleistung des Vorlesens im Mittelpunkt, aber noch wichtiger erschienen mir die Menschen, die daran beteiligt sein würden. Im Grunde genommen ein Team. Weil aber “SpeakTeam” etwas spröde klingt, fiel mir der Name “SpeakStaff” (Staff = vom englischen “Mitarbeiter”) ein. Kurz und knackig. Ja, manche denken heute, es würde “SpeakStuff” heißen. Auch gut,  wir hatten ja auch vor, verschiedenen “Stuff” zu sprechen. Zur Sicherheit registrierte ich diese Domain also schon einmal mit.

Der erste Publisher

Nun gut: Die Website war da, eine erste Sprecherin mit an Bord – aber was sollten wir vorlesen? Durch meine Arbeit im Web-Bereich und für eine Agentur aus der Schweiz konnte ich den Geschäftsführer für die Idee gewinnen. Gemeinsam machten wir eine bestimmte Anzahl zu lesender Artikel aus den Content Portalen der Agentur fest – und legten los. Wohin die Reise ab dann gehen sollte, wussten wir noch nicht. Wie auch immer – try & error war die Devise.

SoundCloud als Audio-Provider

Zunächst dachte ich wirklich daran, diese browser-spezifischen HTML-5- Player zu verwenden. Aber damit kamen viele Fragen und Probleme auf: Wie sollte ich die Verwendung der Audio-Inhalte statistisch analysieren können? Wie könnte ich Fehler in den Audio-Dateien, die erst nach einiger Zeit auffallen würden, nachträglich korrigieren? Wie sollten Hörer diese Beiträge in sozialen Netzwerken teilen können? Da ich nicht mit einer Smartphone App punkten konnte: Wie sollten Hörer sich die Beiträge auch unterwegs anhören, merken oder speichern können? Und wie bekommt man optisch alles hübscher hin?

Die Antwort, die mir relativ schnell einfiel und zu Beginn wenig Geld kosten würde war SoundCloud.

Auf jede meiner Fragen und Probleme hatte SoundCloud die Antwort. Vielleicht noch keine perfekte – aber immerhin. Die Entscheidung war gefallen.

Gewinnung weiterer Sprecher

Durch das Vorlesen von alleine schon zwei Beiträgen zog SpeakStaff weitere Vorleser an, auch aus der professionellen Ecke. Ein unglaublich tolles, kreatives Gespräch hatte ich mit Tom, der daraufhin so nett war, und den ersten Beitrag für motortipps.ch praktisch spendete. Weiterhin brachte Tom mir die wichtigsten Faktoren bei, die sich um Bezahlung von Sprechern handelte. Viel lernen konnte ich auch von Jan, der mir ebenfalls neue Erkenntnisse im Bereich der Voice-Over-Szene schenken konnte.

Seitdem wir die Beiträge auch auf unserer Facebook-Seite teilten, wuchs diese beständig an. Jede Woche produzierten wir bisher 1-3 Beiträge, und ich griff auch mal selbst zum Mikro, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was es bedeutet, als Sprecher tätig zu sein. Mein erster 7-minütiger Beitrag brauchte mehr als 2 Stunden, bis er mehr oder weniger gut “produziert” war. Durch diese Arbeit konnten wir immer wieder weitere Sprecher zum Team hinzufügen und sind auch jetzt immer noch auf der Suche nach neuen Talenten, die sich bewerben können. Wichtig für uns ist nicht unbedingt, dass diese Profis sind (wie auf den anderen Portalen vorausgesetzt wird). Sie sollten einfach eine gewisse Grundqualität und Bereitschaft zum Lernen mitbringen und angenehm klingen.

Stand nach 5 Wochen SpeakStaff

Es ist immer sehr interessant, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Hier wollen wir gerne auch transparent sein, denn dann macht das Mitarbeiten doppelt Spaß. Nun also – das sind die Statistiken der letzten 5 Wochen. Die Interpretation überlasse ich euch:

Stats_on_SoundCloud

Wie geht’s weiter?

Im Moment sind wir an mehreren Baustellen beschäftigt. Einerseits werden wir die Sprecher-Basis weiter ausbauen und hoffen, bis Jahres-Ende auf 30-50 Sprecher zu kommen. Auf der anderen Seite sind wir dabei, weitere Publisher und auch einfache Blogger für die Idee zu gewinnen. Wir arbeiten an einer Kostenstruktur für Sprecher als auch für Texter und versuchen alle Budgets und alle Qualitätsanforderungen abzudecken, die Publisher haben werden.

Nebenbei bauen wir an einem erweiterten Portal, das es Sprechern und Publishern ermöglicht, eigene Infos zu pflegen. Ganz wichtig ist natürlich die weitere Automatisierung der gesamten Audio-Produktions-Prozesse. Deshalb werden wir hier auch viel Anstrengung reinstecken. Ziel ist es, Sprechern ein schönes Nebeneinkommen zu ermöglichen, welches sich aber auch nicht nur große Publisher sondern auch kleine Blogger leisten können. Wenn uns das gelingt, werden wir es schaffen, das Web zumindest zu einem gewissen Teil in hörbarer Form anzubieten. Nicht nur Menschen mit Behinderung werden sich darüber freuen – auch Leute wie ich, der ich einfach mal in der Badewanne einen kurzen Blog Post zu einem Nischenthema genießen möchte.

Weitere Fragen, Ideen Anregungen? Die Kommentare stehen euch offen.

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